Veggietag in der DEG schon Tradition

Seit 2 Jahren gibt es im Betriebscasino der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft in Köln Donnerstags ausschließlich vegetarische Speisen. Hier habe ich bereits darüber berichtet.

Was bedeutet ein wöchentlicher Veggietag für die Mitarbeiter in der Küche?

Darüber habe ich mit dem stellvertretenden Küchenchef Michael Krüger gesprochen, der den Veggietag von Anfang an unterstützt hat:

2 Jahre Veggietag in der DEG. Ist Veggie an Donnerstagen für Mitarbeiter und Küche zur Normalität geworden?
Für 95% der KollegInnen schon. Es gibt zwar nach wie vor einige, die den Veggietag kritisch sehen und sich durch den „erzwungenen“ Fleischverzicht bevormundet fühlen, aber der Großteil der Mitarbeiter findet den Veggietag gut.

Wie viele Essen werden Mittags – vegetarisch und nicht-vegetarisch – ausgegeben?
Pro Tag werden insgesamt 340-360 Essen ausgegeben, davon durchschnittlich ca. 230 Fleisch-/Fisch-, 100 vegetarische Gerichte und 20-30 Salatteller. An Veggietagen liegen wir etwas darunter, da werden insgesamt ca. 280 Essen ausgegeben. Es hängt aber auch stark vom jeweiligen Gericht ab. z.B. geht „die Nudel“ in der DEG immer. Attraktiv angerichtet mit leckerem Pesto, geschmolzenen Tomaten und frisch gehobeltem Parmesan – da kannst du ein Steak neben legen, das würde 1:1 gehen.

Wie kommt der Veggietag in der Küche an? Bringt das Mehrarbeit mit sich? Ist das vegetarische Kochen schwieriger für euch?
Grundsätzlich gut, teilweise aber auch mit gemischten Gefühlen. Weil es nicht einfach ist, sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Außerdem haben die Händler für den Gastrobereich noch nicht die große Bandbreite an Produkten im Angebot, wie man das vom privaten Einkauf kennt. Ich würde mich freuen, wenn es hier ein größeres Angebot geben würde. Bei einem Unternehmen habe ich z.B. vegetarische Produkte angefragt und die wollten eine Vorauszahlung haben. Das ist für uns unüblich und ich glaube, die entsprechenden Lieferanten sind hier noch nicht auf den Gastrobetrieb eingestellt.

Wir haben gerade allerdings einen neuen Händler aufgetan, der auf die Cerealien-Schiene geht und auch Milchersatzprodukte in größeren Gebinden anbietet – das werden wir jetzt mal ausprobieren.

Für die KollegInnen in der Küche ist das vegetarische Kochen durchaus etwas schwieriger oder sagen wir aufwändiger. Es ist z.B. einfacher ein Stück Fleisch als einen Veggie-Bratling zu braten. Da muss man die Inhaltsstoffe berücksichtigen, ob sie beispielsweise empfindlich gegen Hitze sind und evtl. schnell anbrennen oder austrocknen. D.h. wir probieren das vorher aus. Wir machen die Grundmasse fertig und bereiten eine Probe zu. Es steckt daher etwas mehr Aufwand dahinter. Insgesamt hält es sich aber im Rahmen.

Oft wird kritisiert, dass die vegetarische Küche teurer ist. Kannst du das bestätigen?
Dazu muss man sagen, dass wir einen großen Anteil unserer Produkte in Bio-Qualität einkaufen. Bei einem hohen Gemüseanteil geht die Kalkulation im Sommer gut auf. Im Winter ist das naturbedingt etwas schwieriger, da ist Gemüse einfach teurer. Wir könnten dann natürlich auf konventionelle Produkte zurückgreifen, das wollen wir aber nicht – auch oder gerade am Veggietag nicht. Insgesamt geht die Kalkulation auf – mit Bio und Veggietag.

Ein Veggietag gilt durch die Reduzierung des Fleischkonsums als klimafreundlich und gesund. Es gibt in unserem Casino täglich frische Salate, Gemüse und auch Getreideprodukte. Spielt die gesunde Ernährung neben dem kulinarischen Genuss eine besondere Rolle in der DEG?
Ja, absolut. Wobei es auch hier wieder die berühmten Ausnahmen gibt. Man kann auch bei uns Salat und Gemüse weglassen 🙂 und diese persönliche Entscheidung können und wollen wir auch keinem abnehmen. Aber die meisten Mitarbeiter sind an einer gesunden Ernährung interessiert und wir ermöglichen das ja auch mit unserem Angebot. Ich habe mich für den Veggietag eingesetzt und finde es schade, dass man bei einigen immer noch auf Widerstand stößt. Rational ist das nicht begründet, denn man muss (bzw. sollte) nicht jeden Tag Fleisch essen.

Ein großes Problem weltweit ist auch die Tatsache, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden. In der DEG stelle ich fest, dass Übriggebliebenes am nächsten Tag in Salaten und Suppen kreativ weiterverwertet wird. Das klingt nach einem guten Konzept. Geht das so auf?
Geht absolut auf. Man muss natürlich immer noch die HACCP Richtlinie im Auge behalten und das haben wir. Das ist die Gefahren-Analyse kritischer Kontrollpunkte. Man darf z.B. gekochten Reis am nächsten Tag nicht mehr verarbeiten, weil die Gefahr von Keim-Befall bei Reis groß ist und dieses Produkt dann bereits kontaminiert sein könnte.
Wir versuchen allerdings, so wenig wie möglich übrig zu behalten. Wenn wir etwas übrig behalten, geben wir das an die Kölner Einrichtung Notel (Notschlafstelle für drogenabhängige Obdachlose der Caritas ).

und zum Abschluss: Bleibt uns der Veggietag weiterhin erhalten? Wie ist da deine Prognose?
Da gibt’s nichts dran zu rütteln und was in Köln bereits 2 Jahre Bestand hat, ist schon Tradition – oder besser gesagt bereits Brauchtum 🙂

Vielen Dank für das Gespräch.

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Donnerstag ist Veggietag in der DEG: ‚Umwelt- und Klimaschutz mit Messer & Gabel‘

20120821-222106.jpg Nach einer Mitarbeiterumfrage zugunsten einer dauerhaften Einrichtung des Veggietages wird jetzt einmal in der Woche im Casino meines Arbeitgebers vegetarisch gegessen. Die DEG beteiligt sich damit an der VEBU Initiative ‚Donnerstag ist Veggietag‘.

20120822-221233.jpg Ich hatte bereits über die Pilotphase berichtet. Das Küchenteam serviert jetzt jeden Donnerstag leckere, vegetarische (teilweise vegane) Gerichte und zeigt, dass man auch ohne Fleisch lecker essen kann.

Mit unserem Essverhalten nehmen nicht nur wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser hoher Fleischkonsum hat auch dramatische Folgen für Umwelt und Klima, auf den Welthunger und die sogenannten ‚Nutztiere‘, für den Zugang zu Wasser und die Überfischung der Meere, auf die Abholzung des Regenwaldes und die Landnutzung. All diese Themen sind existentiell und wir bringen sie dennoch nicht mit dem Steak auf unserem Teller in Verbindung.
Mit dem Veggietag soll deshalb auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht und für die Auswirkungen unseres Essverhaltens sensibilisiert werden.

Die Mitglieder des Veggietag-Teams durften an den Veggietagen einen Blick hinter die Kulissen werfen:

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In der vorangegangenen 8-wöchigen Pilotphase hatten sie an jedem Veggietag auf Plakaten und Tischaufstellern über die Auswirkungen des Fleischkonsums auf Umwelt, Klima, Welthunger, Landverbrauch oder die Überfischung der Meere informiert.

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In der Pilotphase konnten die Kolleginen und Kollegen ihr Meinung kund tun. In der feedback-Box fanden sich erfreuliche 95% positive Rückmeldungen:

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Konnten in den ersten Wochen noch ein leichter Rückgang der ausgegebenen Essen vermerkt werden, so zeichnete sich in den letzten Wochen sogar ein leichter Anstieg ab. Ein Erfolg für den Veggietag und ein Erfolg des Küchenteams. Dieses hatte die Idee von Anfang an unterstützt und den Veggietag sehr engagiert umgesetzt:

20120821-231225.jpg Ideen für Veggietag Gerichte kamen nicht nur von der Küchenleitumg. Auch Auszubildende konnten ihre Ideen einbringen und umsetzen.

Das Veggietag-Team bedankt sich sehr herzlich beim Küchenteam für die tolle Zusammenarbeit und die großartige Umsetzung.

‚Wir sind nicht der Meinung, dass man mit erhobenem Zeigefinger viel erreichen kann. Deshalb möchten wir auf der einen Seite mit leckeren, vegetarischen Gerichten überzeugen und auf der anderen Seite auf sachlicher Ebene informieren. Das überaus
positive feedback aus dem Kollegiumskreis bestätigt uns in dieser Strategie‘, so das Team Veggietag.

Vorgestellt wurde das Projekt jetzt auch auf der Seite ‚Donnerstag ist Veggietag‚.

‚Donnerstag ist Veggietag‘ im Unternehmen

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Mein Arbeitgeber beteiligt sich mit Einführung (z.Z. 8-wöchige Pilotphase) eines Veggietages an der Initiative ‚Donnerstag-ist-Veggietag‘. Als nächstes steht über eine Mitarbeiterbefragung die Entscheidung an, den Veggietag dauerhaft zu etablieren: Eine spannende Entscheidung.

Schon seit Längerem hatte ich die Idee, die Einführung eines vegetarischen Tages im Casino meines Arbeitgebers (ca. 430 ‚Essende‘) zu initiieren. Unser Casino hatte auch da bereits neben einem Fleisch- oder Fischgericht ein vegetarisches Gericht pro Tag in sehr guter Qualität im Angebot. Zusammen mit einem entwicklungspolitischen Auftrag und einem Schwerpunkt auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit passte ein Veggietag gut in die Unternehmenskultur.

Bereits die ersten Gespräche, sowohl mit Kolleginnen und Kollegen als auch mit der Küchen-Leitung waren überaus positiv und vielversprechend. Die angeschriebenen 5 Kolleginnen verteilten die Idee weiter und innerhalb weniger Tage gab es 80 positive Rückmeldungen!
Die Küchenleitung war sofort angetan von der Idee und sicherte Unterstützung zu. Auch die nachfolgenden Gespräche mit den zuständigen Entscheidungsträgern und dem Betriebsrat verliefen gut und machten sehr schnell den Weg frei für eine konkrete Planung.

Wir bildeten ein ‚Team Veggietag‘ (6 Kolleginnen) und erarbeiteten folgenden Vorschlag zur Vorgehensweise:

  • Titel: ‚Klimaschutz mit Messer und Gabel‘
  • Ziel: Sensibilisierung der Mitarbeiter auf die Klima- und Umweltrelevanz unseres Eßverhaltens
  • Zeitrahmen: 8-wöchige Pilotphase, danach Abstimmung über langfristige Etablierung
  • Speisen: es soll mit leckeren, vegetarischen Gerichten überzeugt werden
  • Information: an jedem Veggietag innerhalb der Pilotphase informiert das Veggietag Team zu einem der folgenden Themen: Initiative ‚Donnerstag ist Veggietag‘, Klima, Wasser, Ressourcen, Landverbrauch, Welternährung, Überfischung
  • zu o.g. Themen wird am Veggietag im Casino auf Plakaten und Tischaufstellern informiert
  • die Plakate stehen weiterhin im internen Portal zur Verfügung
  • die Mitglieder des Team Veggietag helfen an den Aktionstagen in der Küche:20120701-122628.jpg

    und stehen – mit selbst gebastelten Kochmützen 🙂 – mit an der Essensausgabe:

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  • für Rückmeldungen aus dem KollegInnen Kreis wird eine Feedback-Box aufgestellt
  • ab dieser Woche: Veröffentlichung eines veganen oder vegetarischen Rezeptes der Woche zum nachkochen
  • Erfahrungen des Küchen-Teams:

    Ich möchte mich ausdrücklich bei unserem engagierten Küchen-Team, insbesondere beim stellvertretenden Küchenchef für die tolle Unterstützung in der Sache und für die professionelle Durchführung der Veggietage bedanken. Denn alle Organisation und Planung ist ja nur reine Theorie – die praktische Durchführung zählt.

    Ein genauer Erfahrungsbericht der Küche (Kostenbetrachtung, Arbeitsaufwände, Planung der Tagesgerichte, Entwicklung der ausgegebenen Gerichte, etc.) steht noch aus. Aber sowohl die Rezeptauswahl als auch die Zubereitung der vegetarischen Gerichte hat super funktioniert. Durch ein tägliches vegetarisches Angebot besteht hier auch bereits Erfahrung.

    Erfahrungen nach 7 Veggietagen:

    Der Veggietag ist grundsätzlich sehr gut aufgenommen worden. An der Essensausgabe haben sich die KollegInnen fast ausschließlich positiv, teilweise begeistert geäußert.

    Außerdem gab es ca. 100 schriftliche Rückmeldungen in der Feedback-Box. Davon waren 95% positiv. Die negativen Rückmeldungen, und das betrifft auch die nicht schriftlich geäußerten ‚Flurfunk‘ Rückmeldungen, haben mehr oder weniger alle einen gemeinsamen Tenor: man fühlt sich durch den Veggietag bevormundet und in seiner freien Entscheidung zur Auswahl der Speisen beschnitten.

    Das verstehe ich nicht. Ist es tatsächlich eine Beschneidung der freien Entscheidung, wenn es von 5 Tagen, an einem Tag kein Fleisch oder Fisch gibt? Selbst die Fleischindustrie würde das alleine aus gesundheitlichen Gründen wohl kaum empfehlen. Nein, so sei das nicht gemeint, sagen die Kritiker. Es gehe um die Möglichkeit, auch an diesem Tag selbst entscheiden zu können. Also geht es ums Prinzip.

    Unsere Gesellschaft würden ohne Regeln nicht funktionieren. Und es gibt weitaus unsinnigere Regeln als einmal in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Es lassen sich derart viele Argumente in die eine Waagschale werfen und es fällt sehr schwer, etwas auf der anderen Seite einzuwerfen. Da kein stichhaltiges Argument gefunden werden konnte, musste die ‚persönliche Freiheit‘ daran glauben. Wie steht es jedoch beispielsweise mit der persönlichen Freiheit der Menschen in Südamerika, denen durch Vertreibung, Abholzung, Wasserverschwendung etc. zugunsten bzw. bedingt durch unseren großen Fleischkonsum ihre Lebensgrundlage entzogen wird?

    Ich möchte diesen wenigen Kritikern nicht zu viel Raum geben, halte es jedoch für wichtig, trotzdem darauf einzugehen.

    Fazit:

    Unser bisheriges Fazit ist sehr gut. Ich hoffe, die Kolleginnen und Kollegen werden in der nun anstehenden Umfrage entsprechend entscheiden und der Veggietag kann damit dauerhaft etabliert werden.

    Ich freue mich sehr, dass das Projekt bisher so schnell und reibungslos umgesetzt werden konnte.
    Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und vielleicht auch für den ein oder die andere Kollegin Motivation, den Fleischkonsum außerhalb des Veggietages zu reduzieren.